Entgelttransparenz: EIGE zeigt mit Toolkit, wie es gehen kann
Mittlerweile hat jedes Unternehmen vom „Schreckgespenst der Entgelttransparenz“ gehört, viele sind schon in der Umsetzung dessen, was bald kommt. Nun hat das EIGE – European Institute for Gender Equality – ein Step-by-Step Toolkit (hier als PDF und hier als Online-Version inklusive Excel-Sheets) herausgegeben, das gerade kleine und mittlere Unternehmen dabei unterstützt, Fair Pay umzusetzen. Eine EU-Institution hilft also dabei, die Hürden der Richtlinie zu überwinden. Das ist ein wichtiges Signal, das leider nur sehr leise kommuniziert wird. Denn wie viele aus eigener Erfahrung wissen, sind die Anforderungen, die sich aus der EU-Entgelttransparenzrichtlinie künftig ergeben, alles andere als einfach umzusetzen. Das zeigt sich bereits daran, dass die bis Juni geforderte nationale Umsetzung der Richtlinie weiterhin auf sich warten lässt.
Gerade die Frage, was genau unter den Kriterien – Kompetenzen, Verantwortung, Belastungen und Arbeitsbedingungen – zu verstehen ist und wie diese gewichtet werden, führt in der Praxis immer wieder zu Herausforderungen. Die Entwicklung transparenter Vergütungssysteme ist schwierig. Bis jetzt.
Denn die EIGE hat nun ein Step-by-Step Toolkit veröffentlicht, das konkrete Tipps, Beispiele und Checklisten an die Hand gibt, um die Anforderungen an eine genderneutrale Jobbewertung und Klassifizierung umzusetzen. Das Ganze ist online „zum „Durchklicken“ mit Frage-Antwort-Spiel und mit Downloads der Tools möglich, aber auch als pdf verfügbar. Teil des Pakets: Excel-Tabellen, die gerade in kleinen Unternehmen die nötigen Daten sammeln, verarbeiten und Ergebnisse präsentieren.
Besonders hilfreich aus unserer Sicht:
- Warnung vor „Gender Bias“ bei der Jobbewertung:
Eine kurze Übersicht entlang der vier Bewertungskriterien zeigt, wo typische Verzerrungen entstehen, etwa wenn als „weiblich“ wahrgenommene Kompetenzen systematisch unterbewertet oder eher als persönliche Eigenschaft statt als Kompetenz eingeordnet werden.
- Sprach-Check für Jobbeschreibungen:
Was drücken gängige Formulierungen aus und wie lassen sie sich inklusiver und genderneutral gestalten?
- Konkrete Ableitung von Unterkriterien:
Das Toolkit liefert praxisnahe Beispiele, wie sich aus den vier Hauptkriterien Kompetenzen, Verantwortung, Belastungen und Arbeitsbedingungen differenzierte Unterfaktoren entwickeln lassen, die über verschiedene Levels hinweg bewertet und zu einem Gesamtscore zusammengerechnet werden.
- Hilfestellung bei der Gewichtung der (Unter-)Kriterien:
Es werden Orientierungspunkte für die Gewichtung von Haupt- und Unterkriterien gegeben, etwa eine Aufteilung des Kriteriums „Belastung“ (15 %) in geistige (5 %), psychische/emotionale (6 %) und physische Belastung (4 %).
Das Toolkit bietet darüber hinaus zahlreiche weitere Orientierungshilfen und Hinweise auf vermeidbare Fehler bei der Entwicklung transparenter Entgeltsysteme und erleichtert so den Einstieg in das Thema.
Nur eines ist ein bisschen schade: Available only in English.
Wenn Sie noch nicht angefangen haben, sich „richtig“ mit dem Thema zu befassen: Schauen Sie es sich doch mal an. Man muss kein Experte oder gar Fan des Themas sein, sondern bekommt einen sachlichen Zugang mit einigen „Aha-Erlebnissen“.
Wenn Sie mögen, unterstützen wir Sie gerne dabei, die Inhalte passgenau auf Ihr Unternehmen zu übertragen und umzusetzen.
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